5 beliebte Fitness-Tipps (die nicht funktionieren)

 

Wir wollen alle fit werden. Dafür mangelt es nicht an Tipps und Tricks: Von Brigitte über Men’s Health zu Spiegel Online – wir werden mit Ernährungstipps und neusten Studien überhäuft. Die meisten Tipps laufen auf wenige gute Punkte hinaus: Mehr Gemüse, weniger Zucker und mehr Bewegung. Hinter anderen steckt jedoch eher kommerzielles Interesse (Punkt 1 und 3) oder falsch verstandene Studien (Punkt 4 und 5).

Sei also kritisch, wenn du du etwas hörst wie…

 

1. Ein Antioxidanten-Ergänzungsmittel macht dich gesund

 

Antioxidanten

„Fiber“ und „Antioxidants“ – Das muss ja gesund sein.

 

Wenn es dir wie mir geht, so ist „Antioxidanten“ ein Wort, das du vor ein paar Jahren nicht kanntest, heute aber kaum mehr zu vermeiden ist. Antioxidanten sind das, was gewöhnliche Beeren zu „Superfoods“ werden lässt!

Was machen sie? Das übliche: Sie sollen durch ihre Eigenschaft, freie Radikale im Körper einzufangen, vor Herz- und Kreislauferkrankungen und natürlich Krebs schützen. Das stimmt soweit auch!

Dann sollten wir ja viele zu uns nehmen, oder? Je mehr Antioxdidanten, desto weniger Krebs!

brofessor

Professor Protein sagt:

Es fehlen wissenschaftliche Nachweise, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Antioxidanten gesundheitliche Vorteile mit sich bringen. Bei Krebspatienten können sie sogar schaden.

 

Die Wahrheit ist: Der Körper braucht ein gesundes Gleichgewicht zwischen Oxidanten (freien Radikalen) und Antioxidanten. Unterdrücken wir jegliche Radikalbildung im Körper durch haufenweise Vitamintabletten, so kann das auch schädliche Folgen haben.

Freie Radikale entstehen etwa beim Sport – sie sind für die Anpassung des Körpers nach Sport wichtig und damit für alle gesundheitsförderlichen Effekten, die Bewegung mit sich bringt. Dieser Effekt wird durch eine hohe Ergänzung mit Antioxidanten zerstört.

Wenn wir also die ganzen positiven Eigenschaften von Antioxidanten wollen, ohne es zu übertreiben, so müssen wir etwas (Kau)Arbeit aufwenden. Es ist problemlos möglich, genug Antioxidanten aus einer abwechslungsreichen Ernährung mit ausreichend Obst und Gemüse (und natürlich dunkler Schokolade) zu bekommen.

Antioxidanten-Pillen oder Antioxidanten-Zusätze in anderen Lebensmitteln können wir uns sparen!

 

2. Beschleunige dein Abnehmen, indem du viel kaltes Wasser trinkst

 

Wasser trinken

 

Das Internet ist voll von reißerischen Listen wie „10 geheime Abnehmtricks“, „7 Lebensmittel, die Bauchfett schmelzen“ oder „5 beliebte Fitness Tricks (die nicht funktionieren)“.

Immer als Abnehm-Trick mit dabei: Wasser.

Dort steht dann, wir sollten mindestens zwei Liter Wasser am Tag trinken – idealerweise schon bevor der Durst kommt.

Dass du kein Wasser in dich reinschütten musst, wenn du überhaupt keinen Durst hast, sollte dir ja schon der gesunde Menschenverstand sagen – darauf brauche ich hoffentlich nicht eingehen. Dazu kommt oft noch ein anderes Argument:

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Die Altkluge Amsel sagt:

Vor allem kaltes Wasser ist aber wirklich gut zum Abnehmen! Der Körper muss Energie aufwenden, um es zu Erwärmen, dafür braucht er Kalorien!

 

Die Altkluge Amsel hat natürlich Recht – trinken wir Wasser, das weniger als 36 Grad hat, so ist Energie notwendig, um es zu erwärmen. Sie irrt sich nur in der Tragweite dieses Effekts. Lass es uns doch einfach mal ausrechen – mein Physik-Studium soll sich schließlich auch irgendwie auszahlen!

Die Einheit Kalorie macht uns das Rechnen leicht, da sie an die spezifische Wärmekapazität von Wasser gekoppelt ist:

Vereinfacht gesagt ist eine Kilokalorie (kcal) die benötigte Energiemenge, um einen Liter Wasser um ein Grad Celcius zu erwärmen. Trinken wir deshalb über den Tag verteilt 2 Liter Eiswasser, so wird unser Körper etwa 70 kcal aufwenden müssen, um es auf Körpertemperatur zu bringen.

Glückwunsch – du hast deinen Grundumsatz für heute von 2400 kcal auf 2470 kcal gesteigert! Ich hoffe, das Eiswasser war es wert.

Walnuts

Genieß‘ die vier Walnüsse, die du heute mehr essen darfst!

3. Für schnelle Resultate musst du deine Muskeln schocken

 

Schock

Tipp: Am besten nicht so!

Um sich von den tausenden existierenden Fitness-Programmen abzuheben, gibt es eine neue Mode: „Muscle Confusion-Workouts“.

In solchen Trainingsplänen werden die Übungen ständig variiert, um deine Muskeln zu „verwirren“ und „schocken“. So wird verhindert, dass sie sich an die Anstrengung „gewöhnen“ und du so ein Plateau erreichst und keine Fortschritte mehr siehst.

Funktioniert das wirklich? 

Natürlich! Kaufst du dir so einen Trainingsplan, so wird er verlangen dass du vier- bis sechsmal die Woche hart trainierst und gleichzeitig auf deine Ernährung achtest. Wie könntest du da nicht fit werden?

Die eigentliche Frage ist: Funktioniert es besser als ein anderer Fitnessplan, bei dem du dich – ganz langweilig – in der gleichen Übung langsam steigerst? Eher nicht – Ausdrücke wie Muscle Confusion sind reine Marketingwörter, die dazu da sind, dass du dir von tausenden Programmen genau dieses kaufst.

Es ist der gleiche Trick wie auf eine Flasche Orangensaft den Aufdruck „Enthält natürliche Antioxidantien“ zu kleben. Nicht falsch – aber für dich nicht wirklich relevant.

 

4. Du musst frühstücken, um den Stoffwechsel anzuregen

 

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Die Altkluge Amsel sagt:

Ich habe gelesen, dass Menschen, die regelmäßig frühstücken, im Schnitt gesünder und schlanker sind als Menschen, die das Frühstück auslassen.

 

Das stimmt auch! Nur die Folgerung, dass das Frühstück eine magische Eigenschaft hat, die uns gesund und schlank macht, ist nicht ganz richtig.

Jemand, der das Frühstück auslässt, ist dazu geneigt, einen unregelmäßigen Essrhythmus zu haben – es deutet darauf hin, dass jemand weniger Energie und Zeit darauf verwendet, sich über seine Mahlzeiten Gedanken zu machen. Daraus folgen dann viele kleine Snacks auf dem Weg zur Arbeit, statt einer vollwertigen Mahlzeit am Morgen.

Ist das der Fall, so ist ein Frühstück tatsächlich besser!

Zudem wird es oft als radikale Abnehm-Kur angewandt, einfach eine komplette Mahlzeit auszulassen – und wer auf solche Methoden zurückgreift, neigt eben eher zum Übergewicht.

Es ist also wahr, dass „nicht frühstücken“ auf ein ungesundes Leben hindeutet – das eine bedingt aber nicht das andere. Korrelation ist nicht gleich Ursache!

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Was passiert aber, wenn Menschen wie du und ich, die sich viele Gedanken über Ernährung machen, das Frühstück weglassen?

Nicht viel, stellt sich heraus!

Der tägliche Kalorienverbrauch wird durch das Frühstück nicht gesteigert – in manchen Studien wurde sogar gefunden, dass der Stoffwechsel gerade durch das Weglassen den Frühstücks angeregt wird.

Ob du frühstückst oder nicht, ist komplett dir überlassen – für beides gibt es gute Gründe. Alles was ich sagen will ist, dass es keinen wissenschaftlichen Grund dafür gibt, dass ein großes Frühstück all deine Probleme lösen wird.

Am Ende kommt es eben doch darauf an, ob wir über den Tag verteilt richtig essen oder nicht!

 

5. Ein bisschen Alkohol ist sogar gesund

 

Wein gesund

 

Dass große Mengen Alkohol nicht gut sind, ist unumstritten. 

Der Gelegenheitstrinker konnte sich aber immer in Sicherheit wiegen:

amsel_02Die Altkluge Amsel sagt:

Ein bis zwei Gläser Wein am Abend sollen ja sogar gut fürs Herz sein – ich habe gelesen, Gelegenheitstrinker leben länger als Nichttrinker!

 

 

Die Altkluge Amsel hat immer noch nicht den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalzusammenhang gelernt!

In den Studien, die für die „Alkohol verlängert das Leben“-Schlagzeilen sorgen, schneiden Abzinentzler meistens nicht so gut ab, weil diese Gruppe auch aus trockenen Alkoholikern besteht, die jedoch durch Spätfolgen eine gesenkte Lebenserwartung haben – weil Alkohol eben nicht so gesund ist.

Die meisten gesundheitsbewussten Menschen gehören zu der Gruppe, die gelegentlich trinkt – dass der Alkohol dafür verantwortlich ist, dass diese Menschen länger leben ist aber weit hergeholt.

brofessorProfessor Protein sagt:

Im Gegenteil: Diese Studie sah auch in der Gruppe der Gelegenheitstrinker eine Verbesserung der Herzgesundheit, wenn der Alkohol komplett weggelassen wurde.

 

Damit ich nicht als komplette Spaßbremse den Artikel beende: Der Unterschied zwischen wenig trinken und nichts trinken ist trotz allem nicht so groß. Wenn du dir also am Wochenende zwei Gläser Wein zum Essen oder ein Bier bei der Sportschau gönnst, so wird das deinem Körper nicht wirklich schaden. Auch ich trinke Alkohol – ich bilde mir aber nicht ein, damit mein Leben zu verlängern.

 

Meine Fragen an dich:

 

  • Findest du einen dieser Fitness-Tipps gerechtfertigt?

 

  • Welcher Fitness-Tipp, der häufig wiederholt wird, funktioniert ebenfalls nicht?

 

In eigener Sache: Ich bin jetzt bis Mai in den USA! Die ersten Tage waren toll  – ein Video sagt mehr als tausend Worte ;)

 

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Bildquellen (CC via flickr.com):
Kellog’s Antioxidant Bars, Wine, Lightnings, Pool, WalnutCorrelation via xkcd.com

4 Gedanken zu „5 beliebte Fitness-Tipps (die nicht funktionieren)

  1. Hi Janek,

    die „Muscle-Confusion“ Workouts funktionieren, aber nur in Verbindung mit Anabolika. Wenn man sich alte Trainingspläne von Arnold und Co. ansieht, findet man immer wieder Workouts, die einzelne Muskelgruppen schocken sollten und auch Muskelwachstum bewirkten. Das man dieselbe Wirkung aber ohne „Hilfsmittel“ hinbekommt ist totaler Schwachsinn.

    Was den Wassermythos angeht, muss ich Dir allerdings widersprechen. Ich habe leider keine Studie zur Hand, weshalb mein Ansatz nur „Broscience“ ist, aber aus meiner Erfahrung macht es einen deutlichen Unterschied beim Abnehmen und dem Muskelaufbau, wenn man statt 2 Litern plötzlich 3 pro Tag trinkt.

    Gruß Micha

  2. Hallo Janek,

    guter Artikel.
    Ich stolpere auch immer über gewisse Dinge, die behauptet werden aber nie wirklich überzeugen können.
    Bei dem Wasserthema (nicht Eiswasser) bin ich etwas anderer Meinung.
    Ich denke in diesem Fall lautet die Devise eher „Mehr hilft mehr!“.
    Wenn ich den Magen fülle, bleibe ich länger satt. Da kann man schon mal trinken auch wenn man keinen Durst hat. ;)
    Das mit dem Eiswasser halte ich allerdings auch für Quatsch.

    Gruß
    Michael

  3. Hallo Janek,

    den Hunger kann ich selbst mit 2 Liter Wasser nur für eine Stunde unterdrücken, aber niemals ausschalten und esse danach genausoviel wie ohne Wasserkonsum. Der volle Magen gibt ja kein Sättigungsgefühl, sondern nur ein unangenehmes Völlegefühl.
    Ich denke, das häufige Wassertrinken dient nur den Herstellern abgepackten Wassers. Jeder soll trinken, wenn er Durst hat. Der Körper kann seinen Wasserhaushalt selbst herrvorragend steuern (es sei denn jemand ist schwer krank), sonst wäre Überleben als Tier und Mensch nicht möglich.

    Gruß,
    Victor

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