Die 10 größten Gesundheitsmythen (entlarvt von Professor Protein)

Das macht dich dick! Davon essen wir zuviel! Das ist gesund/ungesund! Wenn du das nicht machst lebst du ungesund!

Wir werden täglich mit Floskeln, Meldungen und Mythen über Gesundheit überhäuft. Vieles davon hat einen wahren Kern, vieles aber leider auch nicht. Oft ist es auch so, dass ein Mythos aus alten Forschungen stammt und sich heute fest in das gesellschaftliche Gesundheitsbewusstsein eingebrannt hat. Und zwar nicht weil aktuelle Forschungsergebnisse ihn stützt, sondern weil man es, wenn man es zum zehnten Mal hört, einfach als wahr akzeptiert.

Professor Protein hat sich mal informiert, welche dieser Alltagsmythen nicht mehr dem Stand der Forschung entsprechen.

brofessor

Professor Protein sagt:

Denke zweimal darüber nach, wenn du eine der folgenden Weisheiten hörst:

 

1. Trinke über zwei Liter am Tag / bevor der Durst kommt!

Ich trinke ziemlich viel Wasser. Wenn ich Sport mache auch mal über vier Liter am Tag. Deswegen hat mich dieser Mythos nie gestört, hier hatte ich sowieso immer den Eindruck alles richtig zu machen.

Bei genauerem Überlegen macht es aber nicht so viel Sinn:

Warum genau sollen wir trinken, bevor der Durst kommt? Worin liegt da evolutionär der Sinn? Hat uns unser Körper die letzten hunderttausend Jahre betrogen und dank moderner Wissenschaft haben wir erst jetzt die Wahrheit herausgefunden?

Natürlich ist Wasser gesund. Es ist der notwendigste Stoff, den der Mensch zum Leben braucht. Aber irgendwann wurde „notwendig“ und „gesund“ mit „so viel du kannst“ verwechselt. Das eine bedeutet nämlich nicht das andere.

Wenn du durstig bist, oder durchs Schwitzen viel Wasser verloren hast, dann solltest du auf jeden Fall etwas trinken. Zwingst du dir einen Liter Wasser rein weil es „gesund“ sei, obwohl du weder Flüssigkeit verloren hast noch das Bedürfnis hast zu trinken, hilfst du deinem Körper nicht unbedingt weiter.

Vor langer Zeit wurde die empfohlene Tagesdosis für Wasser auf etwa 2 Liter festgelegt – das Wasser, das wir über unsere Nahrung aufnehmen aber mitgezählt.

Die meisten Pflanzen bestehen zu etwa 90% aus Wasser. Isst du also genug Obst und Gemüse (was du solltest!) nimmst du so schon viel Wasser zu dir.

Zusätzlich zum Essen trinken wir ja auch noch Tee, Kaffee oder Säfte. Und nein, Kaffee entwässert nicht. Alle diese Getränke zählen zu deinem Flüssigkeitshaushalt dazu.

brofessorProfessor Protein sagt:

Trinke, wenn du das Gefühl hast du solltest trinken. Trinke nicht, wenn nicht.

 

2. Salz ist ungesund!

Salzvergiftungen gibt es! Aber der Schluss, dass Salz ungesund ist, nur weil zuviel giftig ist, stimmt so nicht; mit dieser Logik wäre auch fast alles ungesund.

Tatsächlich sind Mengen über sechs Gramm Salz oder mehr als zwei gehäuften Teelöffeln wissenschaftlich relativ konsistent mit Gesundheitsrisiken wie Bluthochdruck verknüpft. Oft wird die empfohlene Maximalgrenze aber viel niedriger, bei etwa zwei Gramm oder unter einem Teelöffel pro Tag angesetzt.

Was auch oft nicht gesagt wird: Zu geringe Mengen Salz sind auch nicht gut!

Salz (genauer gesagt Natrium) ist wie Magnesium oder Calcium ein Elektrolyt und wichtig für viele Körperfunktionen.

In Fertiggerichten ist oft viel Salz enthalten, was dazu führen kann, dass du tatsächlich über die sechs Gramm kommst, wenn du viel davon isst. Kochst du aber selbst und salzt dein Essen selbst, kannst du vermutlich so weitermachen wie bisher.

brofessorProfessor Protein sagt:

Koche selbst und salze nach Geschmack.

 

 3. Fett macht fett!

 

Über diesen Mythos habe ich schon im Paleo-Artikel geschrieben. Es scheint so klar zu sein: Was sich um die Hüften anlagert, besteht aus Fett. Wir essen Fett. Will man seinen Hüftumfang verringern, muss man davon also weniger essen.

Dass dieser Mythos falsch ist, kann ich selbst bestätigen:

Fett macht dich nicht automatisch dick. Es ist ein essentieller Bestandteil unserer Ernährung.

Natürlich kann dich jeder Nährstoff dick machen wenn du zuviel davon isst. Wenn du aber fettreich isst und lange satt bist, stehen die Chancen gut, dass du insgesamt weniger isst. Außerdem brauchen wir gesunde Fette für unsere Herzgesundheit, unser Immunsystem und vieles mehr.

brofessorProfessor Protein sagt:

Iss gesunde Fette und davon reichlich.

 

4. Kohlenhydrate machen dick!

Aha, Fett macht also nicht dick. Eiweiß ja sowieso nicht. Dann sind also die Kohlenhydrate der Bösewicht, stimmt’s?

Ganz so einfach ist es leider auch nicht.

  • Ein Apfel besteht aus Kohlenhydraten.
  • Gummibärchen bestehen aus Kohlenhydraten.
  • Quinoa besteht aus Kohlenhydraten.
  • Ein Donut besteht aus Kohlenhydraten.

Davon sind zwei Dinge aber sehr gesund, zwei Dinge eher weniger.

Kohlenhydrate sind nicht böse.

Zuckerhaltige Fertigprodukte, die das Verlangen nach mehr wecken ohne dich satt zu machen, schon eher. Solche Lebensmittel bestehen meistens zu großen Teilen aus Kohlenhydraten, weswegen ihr Ruf nicht ganz ungerechtfertigt ist.

Trotzdem finde ich Diäten, bei denen Kohlenhydrate radikal beschränkt werden, nicht so toll, auch wenn sie funktionieren.

Aber Angst davor zu haben, dass ein Apfel oder eine Banane dick macht, halte ich für übertrieben.

brofessorProfessor Protein sagt:

Iss richtige Lebensmittel, keinen Müll. Und stresse dich nicht zu sehr.

 

5. Lasse niemals eine Mahlzeit aus …

… oder dein Stoffwechsel bricht ein!

Was dann passiert kann man sich vorstellen: Der Körper geht auf Sparflamme, er baut deine Muskeln ab und hält seine Fettreserven fest. Und alles nur weil du nicht gefrühstückt hast!

So schlimm ist es nun wirklich nicht.

Der Körper geht nicht sofort in den „Hungersnot“-Modus, nur weil er mal 8,16 oder sogar 24 Stunden nichts zu essen bekommen hat. Im Gegenteil: Der Stoffwechstel steigt kurzfristig sogar an.

Aus evolutionärer Sicht macht das Sinn: Gibt es nichts zu essen, muss man jagen oder sammeln gehen. Dazu benötigt man eine erhöhte Muskel- und Gehirnaktivität.

Ein „Hungersnot“-Modus existiert, jedoch kommt er nicht so schnell.

brofessor

Professor Protein sagt:

So lange du über den Tag hinweg genug Gemüse, Eiweiß und gesunde Fette isst, brauchst du dir über eine ausgelassene Mahlzeit keine Sorgen machen.

 

Wenn du jedoch über Wochen hinweg deutlich weniger Kalorien zu dir nimmst als du eigentlich benötigst, wird sich dein Körper irgendwann tatsächlich denken, dass die Nahrung nun auf Dauer knapp ist und seinen Energieverbrauch senken. Was mich gleich zu meinem nächsten Punkt führt:

6. Die einfachste und wirkungsvollste Diät ist immer noch FdH …

… Friss die Hälfte.

„Wir Deutschen essen einfach zu viel. Nur darum gibt es Übergewicht.“

Natürlich ist das nicht falsch. Natürlich kann man abnehmen indem man einfach nur die Portionen verkleinert.

Ich finde die Idee aber nicht so toll, weil…

  • es eventuell immer noch sehr ungesund ist. Isst du davor zuwenig gesunde Fette, Obst und Gemüse und verkleinerst dann die Portionen verschlechtert sich die Situation nur.
  • man es nicht länge durchhält. Man isst ja nicht ohne Grund soviel wie man tut.

brofessor

Professor Protein sagt:

Iss gesunde Lebensmittel, die dich sättigen. Davon so viel du willst.

 

7. Eier haben Cholesterin und sind ungesund

Dies ist der Mythos, mit dem ich mich am häufigsten herumschlagen muss. Eier sind tolle Lebensmittel, besitzen natürliche Emulgatoren, gesunde Fette und fast alle Vitamine und Mineralien, die es gibt (außer Vitamin C).

Drei Eier am Tag decken den kompletten täglichen Bedarf an Vitamin D (das fettlöslich ist und durch das Fett im Eigelb vom Körper optimal aufgenommen werden kann) und Vitamin B12 (deshalb auch super für Vegetarier!), sowie einen Großteil des täglichen Mindestbedarfs an Vitamin A, Vitamin E, Vitamin B2/B6, Zink, Phosphor, Selen u.v.m.

Mach dir also anstatt der Vitamintablette lieber ein paar Spiegeleier ;)

Außerdem besitzt ein Ei ein perfektes Aminosäureprofil, in dem alle essentiellen Aminosäuren reichlich vorhanden sind.

Man könnte fast alleine von Eiern sehr gesund leben! Und das macht ja auch Sinn, stellen Eier doch von Natur aus ein alleiniges Nahrungsmittel für ein Lebewesen (nämlich ein Küken) dar.

Über das Cholesterin auf der anderen Seite muss man sich keine Sorgen machen: Erstens wird der Cholesterinspiegel praktisch nicht vom Nahrungscholesterin beeinflusst und zweitens halte ich reines Gesamtcholesterin sowieso für unschuldig bezüglich den Herzrisiken, die ihm nachgesagt werden.

brofessorProfessor Protein sagt:

Es gibt keinen wissenschaftlichen Hinweis darauf, dass Cholesterin aus der Nahrung ein Gesundheitsrisiko darstellt. Bei einem Verzicht auf Ei verzichtet man auf eine natürliche Quelle von Eiweiß und fast aller Vitamine und Mineralien.

8. Iss nicht nach 18/19/20 Uhr!

Wenn dieser Mythos funktioniert, dann liegt es nicht daran, dass dein Körper eine magische Fettspeicherzeit besitzt, sondern daran, dass du hungrig ins Bett gehst und somit insgesamt weniger isst. Hungrig ins Bett klingt für mich aber ehrlich gesagt nicht so toll…

Die Idee geht meistens wie folgt:

Wenn du spät isst und mit vollem Bauch schlafen gehst, könne dein Körper die Energie, die er zu sich genommen hat, nicht verbrennen und werde sie deshalb als Fett speichern. Alles was du deshalb spät abends zu dir nimmst, werde unweigerlich zu Körperfett werden.

Dein Körper hört aber nachts nicht auf zu arbeiten, sondern verarbeitet die Lebensmittel genauso wie er es am Tag getan hätte. Hast du dich tagsüber bewegt und isst abends etwas, dass dein Körper tatsächlich benutzen kann (gesunde Fette, Gemüse, Eiweiß), wird er es auch (bzw. besonders) nachts dazu benutzen, um deine Muskulatur zu verbessern, Körperzellen zu erneuern und deine Knochen zu stärken.

Hast du dich nicht bewegt und isst etwas, dass dein Körper nur als Energie verwenden kann, so wird es dir auch nicht helfen um 17 Uhr statt um 19 Uhr zu essen.

brofessor

Professor Protein sagt:

Die Qualität deiner Mahlzeiten über den Tag hinweg ist viel wichtiger als die Uhrzeiten, zu denen du diese einnimmst.

 

 

9. Das Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit am Tag!

 

Passend zum Mythos 8 lässt sich dieser Mythos ähnlich aus dem Weg räumen. Frühstück ist nur dann die wichtigste Mahlzeit am Tag, wenn es für dich die wichtigste Mahlzeit ist.

Fühlst du dich hungrig, unkonzentriert und bekommst eine Heißhungerattacke wenn du nicht gefrühstückt hast? Dann scheint ein Frühstück für dich wohl ziemlich wichtig zu sein.

Hast du morgens überhaupt keinen Appetit, musst jeden Bissen in dich hineinzwängen und fühlst dich am Vormittag mit vollem Bauch unwohl? Dann scheint ein Frühstück für dich keine gute Idee zu sein.

Wichtig ist auch hier wieder nur, dass du über den Tag hinweg gesund isst. Ob die Nährstoffe morgens, mittags oder abends kommen, ist dann ziemlich egal.

brofessor

Professor Protein sagt:

Höre auf deinen Körper und finde selbst heraus, welche Mahlzeit für dich am wichtigsten ist.

 

10. Je ungesättigter ein Öl, desto besser!

 

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Es steht auf den Nährwertangaben ja nicht umsonst aufgesplittet: Gesättigte Fettsäuren sind die schlechten, ungesättigte die guten.

Leider ist es auch hier wieder nicht so einfach: Viele billige Öle wie Soja- oder Sonnenblumenöl sind zwar reich an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, jedoch nicht an guten Omega-3-Fettsäuren sondern eher an Omega-6-Fettsäuren. Die sind zwar auch wichtig, jedoch essen wir schon zu viele davon.

Auf der anderen Seite gibt es keinen wissenschaftlichen Hinweis darauf, dass gesättigte Fettsäuren für uns schädlich sind. Viele Öle wie Kokosöl sind sehr gesund und bestehen gleichzeitig fast nur aus gesättigten Fettsäuren.

brofessor

Professor Protein sagt:

Iss eine ausgewogene Menge gesättigter sowie einfach und mehrfach ungesättigter Fettsäuren.

 

 

 Meine Frage an dich:

  • Stimmst du Professor Protein zu? Oder hältst du einen dieser Punkte für keinen Mythos?
  • Kennst du noch mehr Alltagsweisheiten, die ständig ohne Beweis wiederholt werden?

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3 Gedanken zu „Die 10 größten Gesundheitsmythen (entlarvt von Professor Protein)

  1. Hi, 3 Eier decken den Vit D Bedarf??? Wie groß oder vom welchem Strauß sollen die denn sein? Und was ist der Tagesbedarf an Vit D? Bitte nicht mit dem Lobbyverein DGE kommen…als mein Doc mit deren Empfehlungen anfing…hab ich mich höflich verabschiedet…^^ Die empf. ja auch >55 Carbs…wohin das führt, kann man täglich auf der Strasse sehen…
    Gruß Micha

    1. Hey! Du hast Recht mit deinem Einwand, hier kommt es darauf an ob man das durchschnittliche Vitamin D durch Sonnenstrahlen mitzählt oder nicht. Ich habe es hier gemacht aber nicht klar formuliert.
      Ohne Sonne sind es eher 12 Eier. Und ja, ich habe mich nach der DGE gerichtet ;)

  2. Bei Absatz 5 muss auch differenziert werden. „Wenn du jedoch über Wochen hinweg deutlich weniger Kalorien zu dir nimmst als du eigentlich benötigst, wird sich dein Körper irgendwann tatsächlich denken, dass die Nahrung nun auf Dauer knapp ist und seinen Energieverbrauch senken. Was mich gleich zu meinem nächsten Punkt führt“

    Dieser Absatz unterstützt den Mythos, dass langsames Abnehmen besser oder gesünder sei, was pauschal so nicht zu sagen ist. Wenn Mikronährstoff- und Eiweißbedarf während der schnellen Diät (hohes Kaloriendefizit) gedeckt ist, dann wird ein schneller Gewichtsverlust viel eher eine schnelle Verbesserung der durch Übergewicht verursachten Probleme (Bluthochdruck, etc) bedeuten.

    „[… Es gib einen unvermeidbaren Rückgang des Energieverbrauchs beim Abnehmen. Denn weniger Körpermasse verbraucht weniger Energie. Eine 5 kg Fettabnahme resultiert in einem ca. 150 kcal geringeren Tagesverbrauch.
    Ein Reduktion des Energieverbrauchs über das hinaus, was durch den Gewichtsverlust zu erwarten wäre, ist oft erst bei sehr niedrigen Körperfettbereichen zu beobachten. Viele Übergewichtige kommen mit der Stoffwechselverlangsamung selbst bei extremen Diäten nicht in Kontakt. Die Hysterie des eingeschlafenen Stoffwechsels ist also gerade bei Übergewichtigen völlig übertrieben.
    Beim Vorstoß in niedrige Körperfettbereiche wehrt sich der Körper in der Tat mit einer Verlangsamung des Stoffwechsels. Selbst unter extremen Bedingungen (Männer, halbes Jahr mit 1500 kcal bis zu 4-5% Körperfettanteil) hat sich der Grundumsatz (BMR) allerdings nur um nur 15% verringert. Der gesamte Energieverbrauch ging aber um 40% zurück – hauptsächlich aufgrund des Körpergewichtsverlusts.“]
    Quelle: https://fitness-experts.de/grundlagen/stoffwechsel

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