Drei überhypte Lebensmittel – und bessere Alternativen

 

Nicht nur bei Klamotten, auch bei Lebensmitteln gibt es Trends – und damit auch immer geschickte Verkäufer, die sich die Trends zunutze machen um Lebensmittel zu vermarkten.

Solche trendigen Lebensmittel werden dann gerne „Superfoods“ genannt und haben idealerweise diese Eigenschaften:

  • Sie waren bis vor kurzem unbekannt, damit es modern und weltgewandt klingt, davon zu erzählen.
  • Verwandt mit Punkt 1: Sie kommen von weit her. Bonuspunkte gibt es für Süd- und Mittelamerika. Das Label „Heilsamen der Maya“ oder „Gold der Inka“ macht sich immer gut.
  • Ein beliebiger Nährwert verdeutlicht die Gesundheit des Lebensmittels – ohne dass es eine wirkliche Rolle spielt („doppelt so viel Magnesium wie Weizen!“)
  • Es lassen sich wundervolle Gesundheitseigenschaften nachsagen. Brain Food – Versorgt das Gehirn mit Energie klingt zum Beispiel immer gut, auch wenn das eigentlich ja auch Gummibärchen tun.
  • Der Kilopreis sollte nicht unter 10€ liegen – sonst hätte sich der Marketing-Aufwand ja nicht gelohnt!

Ich finde es toll, dass man auch mal etwas Neues probiert und Lebensmitteln eine Chance gibt, die man bis vor kurzem noch gar nicht kannte.

Ich würde auch niemals behaupten, dass es schlimm ist, wenn man sich eines der folgenden Lebensmittel holt. Ich selbst esse sie auch gerne. Sie sind gesund und vielleicht schmeckt es manchen ja besser als die Alternative und der höhere Preis schreckt nicht ab.

Die Lebensmittel in dieser Liste sind jedoch auch völlig überhyped. Das bedeutet, die Gesundheitsversprechen sind etwas übertrieben, und heimische Lebensmittel können mit diesen „Superfoods“ locker mithalten.

Quinoa

 

Das „Wunderkorn der Inka“. Lange war es auf den Anden versteckt, jetzt hat die Welt es entdeckt!

Mittlerweile ist es schon gar nicht mehr so ungewöhnlich und findet sich auch in deutschen Küchen immer häufiger. Es wird mit 14 Gramm Eiweiß pro 100 g als „Proteinbombe“ unter den Getreidearten bezeichnet. Außerdem ist es glutenfrei – was will man mehr?

Ich habe Quinoa selbst mit diesen Argumenten auch gerne empfohlen, ohne mir wirklich Gedanken zu machen. Als ich mir die Zahlen mal wirklich angeschaut habe, hat sich mein Bild aber etwas geändert.

Ich wurde hereingelegt – und falls du ebenfalls dachtest, mit Quinoa deinen Eiweißbedarf besonders gut decken zu können, so ist dir das auch passiert.

Professor Protein sagt:brofessor

Quinoa enthält mit 14 Gramm deutlich mehr Eiweiß als etwa Reis (3 Gramm), aber ist nichts Besonderes gegenüber Roggen oder Weizen (11 Gramm). Gegen Linsen (23 Gramm) sieht es sogar ziemlich alt aus.

 

„Stopp mal, Janek, das ist jetzt aber unfair! Es hat mehr Eiweiß als Reis; Roggen und Weizen enthalten Gluten und sind deshalb für manche Personen nicht geeignet. Der Vergleich mit Linsen hinkt, da es ja keine verwandte Pflanze ist. Quinoa ist also die beste Alternative.“

Da hast du völlig Recht! Ein Getreide hat Professor Protein aber vergessen:

Haferflocken! Du weißt hoffentlich schon, dass sie dich stark machen.

Sie haben nicht nur gleich viel Eiweiß wie Quinoa, auch im restlichen Vergleich sehe ich keinen großen Unterschied: Vergleichbar viele Kalorien und Mineralstoffe, einen klaren Sieger gibt es nicht.

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Die Altkluge Amsel sagt:

Aber ich habe schon gelernt, dass Eiweiß nicht gleich Eiweiß ist! Und über Quinoa habe ich gelesen, dass es ein sehr gutes Aminosäurenprofil hat und alle essentiellen Aminosäuren vorhanden sind. Das Eiweiß ist also hochwertiger als das von Hafer.

 

Ich hätte der Altklugen Amsel vor ein paar Wochen noch zugestimmt. Gibt es einen Artikel über Quinoa, so steht irgendwo auch, dass das Aminosäurenprofil besonders gut ist. Umso mehr habe ich mich gewundert, als ich mir die Daten mal angeschaut habe.

Schauen wir uns es mal an!

Hier habe ich das Aminosäurenprofil von Haferflocken und Quinoa verglichen.

quinoa-haferflocken_2

Quelle: https://nutritiondata.self.com

 

Aufgetragen sind die einzelnen essentiellen Aminosäuren in mg/100g. Das sieht ziemlich ähnlich aus. 

Wenn man wirklich einen Gewinner ausmachen wollte, wären es wohl eher die blauen Balken – Haferflocken. Bei Quinoa ist lediglich der Lysinanteil leicht erhöht, Haferflocken sind in allen anderen Aminosäuren, besonders aber in den wichtigen BCAAs Leucin, Isoleucin und Valin der klare Gewinner.

Unter allen gesundheitlichen Aspekten sind Haferflocken und Quinoa also ähnlich. Reiner Hafer ist ebenfalls glutenfrei, nur wer an Zöliakie leidet und auf Spuren von Gluten reagiert muss aufpassen, da er oft mit anderen Getreidesorten verarbeitet wird. Für den Rest von uns spielt Gluten im Hafer keine Rolle.

Was sind sonst die Unterschiede? Haferflocken sind praktischer, da man sie nicht erst kochen muss. Gesund und einfach ist immer besser als gesund und aufwendig.

Quinoa ist durch den Hype als Superfood im Preis stark gestiegen, was dazu geführt hat dass man heute knapp 10€ für das Kilo Quinoa hinlegen muss, für Bio-Quinoa noch mehr. Das führt auch dazu, dass es die Bauern in den Anden gar nicht mehr selbst essen sondern ihren Quinoa verkaufen und lieber auf billigere Lebensmittel wie Pommes ausweichen, was auch nicht die beste Lösung ist.

Haferflocken hingegen sind eine der günstigsten Eiweißquellen, die es gibt: Sie gibt es im Discounter für 80 Cent das Kilo und auch Bio-Haferflocken kosten nur wenige Euro. Das hängt vermutlich auch damit zusammen, dass sie nicht erst um die ganze Welt fliegen.

 

 

Kokoswasser

Als ich kürzlich im alnatura war, war ich überrascht wieviele Sorten Kokoswasser es dort gab: Ich kam ursprünglich nur, um mir mein Kokosöl zu holen und dachte mir, wenn Kokosöl so gesund ist, dann ist es Kokoswasser bestimmt auch!

Ich bin nicht der einzige, der so denkt: Vor allem in den USA gibt es einen riesigen Trend bei Sportlern Kokoswasser zur Flüssigkeitszufuhr zu benutzen.

Neben den gewöhnlichen wundervollen Gesundheitseigenschaften („entzündungshemmend“) wird oft mit dem hohen Kalium-Gehalt von Kokoswasser geworben. Kalium ist ein Elektrolyt, den wir ausschwitzen und deshalb nach dem Sport wieder zu uns nehmen sollten.

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Das Ratlose Rentier fragt:

Dann ist es ja wirklich ein gutes Sportgetränk?

 

 

Kokoswasser enthält viel Kalium, aber eine Banane auch – und eine Banane plus ein Liter Leitungswasser kosten 20 Cent. Zusammen ist die Kombination Banane+Wasser nicht nur besser, sondern auch deutlich günstiger als die mehreren Euro, die man für einen Tetrapack Kokoswasser ausgeben muss

Bei kurzen Trainingseinheiten müssen wir uns über all das zum Glück sowieso keine Gedanken machen, wir nehmen die Nährstoffe dann einfach wieder auf, wenn wir das nächste Mal essen. Dann brauchst du weder Banane noch Kokoswasser noch sonstige Sportgetränke – Leitungswasser reicht vollkommen!

Chia-Samen

 

 

Nachdem Quinoa vor ein paar Jahren bereits etabliert wurde, kam das nächste Superfood nach Europa – auf das Inka-Gold folgten die Wundersamen der Maya.

Mittlerweile sind wir ja schon ein bisschen im Rhythmus und können Chia-Samen kurz abhaken:

  •  Eher unbekannt? do
  • Von weit weg? do Bonuspunkt: Aus Mittelamerika? do
  • Gesund klingender Nährwert?  do Mehr Calcium als Milch!
  • Wundervolle Eigenschaften, die niemand kontrollieren kann? do Senkt das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall!
  • Teuer? do

Chia-Samen erfüllen also alle Voraussetzungen an ein Superfood – und sind deswegen genau so überhyped!

Natürlich sind sie gesund, enthalten gesunde Fette und ein gutes Nährstoffprofil. Wenn dich der höhere Preis nicht abschreckt, spricht also nichts dagegen sie zu kaufen. Sie vollbringen aber keine Wunder und enthalten nichts, das man nicht auch mit einer ausgewogenen Ernährung aus heimischen Lebensmitteln bekommt. Für einen direkten Vergleich eignen sich aber vor allem Leinsamen:

Leinsamen und Chia-Samen haben praktisch die gleichen gesundheitlichen Eigenschaften.

Natürlich gibt es leichte Unterschiede, von denen man sich einen Wert aussuchen kann, um das eine besser darzustellen als das andere: Wer Werbung für Chia-Samen machen möchte wird sagen, sie enthalten mehr Calcium und Antioxidanten. Umgekehrt würde ein Leinsamen-Fan sagen, dass sie mehr Omega-3-Fettsäuren und Eiweiß enthalten.

Was mich überzeugt: Leinsamen gibt es ab 3€ das Kilo und sie kommen aus Deutschland. Chia-Samen kosten das dreifache und sie legen deutlich mehr Kilometer zurück, bis sie in unserem Magen sind.

 

Keines dieser Lebensmittel ist ungesund, noch finde ich es schlimm sie zu kaufen. Quinoa schmeckt natürlich anders als Haferflocken und lässt sich als Gericht auch anders verwenden, vielleicht magst du es ja einfach lieber.

Mir ist es nur wichtig, zum Audruck zu bringen, dass man nicht so viel Geld ausgeben muss, um gesund zu leben. Kein Lebensmittel vollbringt Wunder und es gibt viele heimische Produkte, die trendigen Superfoods in nichts nachstehen – für einen Bruchteil des Preises.

Jetzt musst du also weder für Flaschenwasser Geld ausgeben, noch für gehypte Superfoods zu viel bezahlen – gönn dir was Schönes mit dem gesparten Geld!

 

Meine Fragen an dich:

 

  • Welches Lebensmittel würdest du dieser Liste hinzufügen?

 

  • Isst du eines der drei genannten Superfoods gerne?

 

Unterschrift

 

Dicke Katze  Zum Weiterlesen: Kann ich auch mit Kohlenhydraten abnehmen?

 

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5 Gedanken zu „Drei überhypte Lebensmittel – und bessere Alternativen

  1. Hi Janek,
    schön auf den Punkt gebracht. Beim Lesen konnte man merken, dass Dich das Thema „Superfoods“ inzwischen ziemlich nervt, was ich durchaus nachvollziehen kann.
    Das gleiche Prinzip gibt es aber auch bei neuen Trainingstrends, bei neuem Trainingsequipment und nahezu in jedem anderen Bereich indem Menschen konsumieren.
    Das große Problem ist, dass viele nach einem einfachen Weg suchen ihr Ziel zu erreichen. Da kommen neue Trends mit dem Versprechen dieser einfache Weg zu sein der Industrie gerade recht.
    Gruß Micha

  2. Hi,

    das, was ich der Liste hinzufügen würde, steht sogar im Text: Kokosöl! Ich kann nur raten, sich mal mit heimischem Rapsöl zu beschäftigen. Ersetzt für mich Kokosöl in jeder Hinsicht. Uva danke für den Artikel! Ich frage mich immer, wovor die Leute Angst haben, in unseren überfüllten Supermärkten gibt es süß viel Zeug, da bekommt man bei einer ausgewogenen Ernährung auch ohne Superfoods keinen Mangel. Zumal man das Zeug häufig in viel größeren Mengen zu sich nehmen müsste, damit es wirklich was bringt.

    1. Da hast du Recht; ich finde Rapsöl auch deutlich besser als sein Ruf und es gibt auch in Kokosöl nichts, das man nicht aus heimischen Produkten bekommt.

  3. Hallo,

    ich habe lange nach einer solchen Informationsquelle gesucht. Ich finde Leinsamen und Chiasamen zwar schon gesund und ich habe auch das Gefühl, dass durch die Einnahme mein Hautbild, sowie meine Verdauung gut wird, aber man sollte es natürlich auch nicht, wie du so schön sagst „hypen“ .

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